65-jähriges Gedenken an die Schlacht um Monte Cassino

Hintergrund, Organisation und Ablauf der Reise

Vom 15. bis 26. Mai hat sich eine deutsch – österreichische Reisegruppe auf den Weg nach Cassino gemacht, um an die Schlacht um Monte Cassino vor 65 Jahren zu erinnern und an den internationalen Gedenkfeiern teilzunehmen. Dieses Ereignis hat der BDF in diesem Jahr zum Schwerpunkt der Gedenkveranstaltung erklärt, da die Hölle von Cassino die Fallschirmjäger der Wehrmacht nicht nur schmerzliche Verluste erlitten, sondern sich auch einen legendären Ruf als die „Grünen Teufel“ und den Respekt ihrer damaligen Gegner als hervorragende und fair kämpfende Elitesoldaten erworben haben.
Nicht ohne Grund haben sich gerade an dieser Stätte erbitternder Kämpfe die Veteranen nach dem Krieg sehr früh schon wieder die Hand zur Versöhnung über den Gräbern gereicht und haben die internationale Monte – Cassino- Vereinigung gegründet. Maßgeblich beteiligt als gefragter Ansprechpartner für die Alliierten war die Deutsche Monte-Cassino-Vereinigung unter der Leitung von Jupp Klein, der (inzwischen 88 Jahre alt) bei seinen ehemaligen Gegnern in höchstem Ansehen steht. Auf Grund seines Alters hat sich die Kameradschaft der Fernspähtruppe unter der engagierten Leitung des KL, Ernst Krug, bereit erklärt, seine Arbeit in Zukunft in enger Zusammenarbeit mit der Monte-Cassino-Stiftung weiter zu führen. Erstmals vor dieser Herausforderung stehend, hat Kamerad Krug mit Unterstützung von Jupp Klein eine elftägige Reise für über 120 Teilnehmer organisiert. Die unterschiedlichen Interessen Jüngerer und Älterer, Männer und Frauen, Veteranen der Kämpfe wie Monsignore Völk mit seinen 90 Jahren oder eine Gruppe aus der jüngeren Bundeswehrgeneration aus der Reservistenkameradschaft Fallingbostel hat er durch optionale Reiseprogramme für zwei Busbesatzungen berücksichtigt. Diese Leitung, die nicht nur Ernst Krug sondern auch seine Frau und einige Mitwirkende der TraKa Fernspähtruppe über Monate hinweg voll gefordert hat, verdient Respekt und Dank. Im Mittelpunkt des Programms stand die Teilnahme an den verschiedenen Gedenkfeiern der Nationen und am Besuch des Papstes.
Die lange An- und Rückreise wurde durch eine Übernachtung in Südtirol im sehr angenehmen Hotel „Rotwand“ in Leifers aufgelockert, wo erste und abschließende Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein genutzt wurde.
In Cassino haben Herr Walter Jannetta , die Zuständigen des Volksbundes, Pater Germanos und Don Antonio Leitung und Teilnehmer dankenwerterweise nach Kräften unterstützt.
Der günstige Preis für die Reise war möglich durch die speziell zur Finanzierung dieser Reise eingegangenen Spenden. Auch die Kosten für einen überraschend unverschuldet in Not geratenen Kameraden konnten so übernommen werden. Den Spendern sei ein Dank aller Teilnehmer übermittelt. Zum Teil hat auch das Verhandlungsgeschick von Ernst Krug und Walter Jannetta mit der Leitung des Hotels „Ravone“ in Cassino dazu beigetragen – 5-Sterne-Service durfte also nicht erwartet werden. Der gute und preiswertige Rotwein und das in der Regel freundliche Personal trösteten über kleine Unzulänglichkeiten hinweg.
Insgesamt also ein angenehm flexibler Rahmen, welcher der Organisation allerdings einiges Geschick abverlangt hat und nur durch möglichst eindeutige und stimmgewaltige abendliche Befehlsausgaben mit anschließendem Rundspruchverfahren zu regeln war.
Hier nun die wichtigsten Meilensteine der ereignisreichen Tage:

Gedenken an die zivilen Opfer und Verluste bei der Schlacht um Cassino und an die italienischen Gefallenen Gedenkfeier auf der Piazza de Gasperi

Der 17. Mai, ein Sonntag war zuerst den italienischen Opfern des Krieges gewidmet. Hierzu fanden sich Abordnungen aller Nationen zu einer Gedenkfeier auf der Piazza de Gasperi im Stadtzentrum ein. Hier bot sich erstmals die Möglichkeit, besonders mit den Gästen aus Polen und den Commonwealth Kontakt aufzunehmen. Ein polnischer Veteran aus Kanada, Alexander Ogonczyk-Topolski, der zum ersten Mal nach dem Krieg zusammen mit Ehefrau und Tochter nach Cassino gereist war, hatte Gelegenheit, seine bewegte Lebensgeschichte auch Jupp Klein zu schildern, von seiner Gefangenschaft als polnischer Soldat 1939 in Russland, der Freilassung auf Drängen der Westalliierten, über seinen Einsatz im polnischen Korps von General Anders u.a. auch gegen die hart umkämpfte Höhe 593, bis zu seiner Auswanderung nach dem Krieg nach Kanada. Mit Angehörigen der polnischen Armee gab es interessante Gespräche waren diese doch zusammen mit Deutschen im ISAF-Einsatz. Und ein herzliches Wiedersehen ergab sich auch zwischen Prof. Antonio Feraro, dem ehem. Bürgermeister von Cassino, und Jupp Klein.
Hier kam es auch zu einem ersten Kontakt der gemischten deutsch-polnischen Schulklasse des Projekts der Deutschen Monte-Cassino-Stiftung (eine Initiative von Herrn Harlinger, dessen Vater im deutschen Soldatenfriedhof in Cassino liegt) mit dem Cassino-Kämpfer und Ritterkreuzträger Herbert Fries. Der stand als ehemaliger Pz-Abw-Fallschirmjäger den interessierten Schülern von einer Panzerabwehrkanone auf seine kurze trockene Art kompetent Rede und Antwort. Der begleitende Lehrer, Herr Weißbarth, machte die (sehr gut im Zuge seines Unterrichtsprojektes vorbereiteten Schüler!) darauf aufmerksam, dass dieser damals mit gerade 18 Jahren just in ihrem Alter gewesen ist – das stimmte nachdenklich. Auch Jupp Klein stellte sich den Schülern an einem Abend als Zeitzeuge zur Verfügung.
Bei der Feier zum Gedenken an die zivilen Opfer der Kämpfe, zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt und des Klosters legten die Vertreter der Nationen Kränze am Denkmal nieder, so auch die der Vertreter des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Hptm d.R. Arne Schrader (ehem. FschPzAbwBtl 272), die Schüler der gemischten Schulklasse für die Deutsche Monte-Cassino-Stiftung, Jupp Klein und Herbert Fries für die Deutsche Monte-Cassino-Vereinigung. Jupp Klein erinnerte in seinem Grußwort an die Opfer der Kameraden aller Seiten. Die Zerstörung der Stadt sei tragisch gewesen, aber alles habe sich zum Besseren gewandt, „wir sind heute hier in Freundschaft vereint“.
Diese Kranzniederlegung an den Gräbern der eigenen Gefallenen wie auch derjenigen der ehemaligen Gegner durch die Vertreter anwesender Nationen und Soldatenverbände und diese offenen, vom Geist der Versöhnung und des Willens zur gemeinsamen Zukunftsgestaltung in Europa getragenen Gespräche zwischen deren Soldaten und Zivilisten haben all die Tage in Cassino geprägt.
Beispielhaft für die bewegenden Gedanken aus Anlass der Gedenkfeier sei hier der Satz des Veteranen Ogonczyk- Topoloski auf die Frage, wer denn bei Cassino auf der Höhe 593 gewonnen habe, wiedergegeben: „Niemand hat gewonnen, wir haben alle verloren!“

Italienische Gedenkfeier am Monte Lungo

Im Anschluss an die Fahrt in die Stadt Cassino fand eine würdige Gedenkfeier auf dem italienischen Soldatenfriedhof am Monte Lungo statt, bei der dem Verfasser wiederum deutlich wurde, dass es sich in der Phase der Kämpfe auch um einen tragischen italienischen Bruderkrieg gehandelt hat. Hier wie auch bei den anderen Feiern haben offizielle Abordnungen der polnischen Armee als Ehrenwache ein tadelloses Bild abgegeben und zusammen mit dem polnischen Minister für die Veteranen und Jugendgruppen den Dank der polnischen Nation eindrucksvoll dokumentiert. Ein offizieller Regierungsvertreter Deutschlands hat gefehlt.

San Pietro Infine

Es folgte die Besichtigung des ca 10 km südlich von Cassino gelegenen, damals erbittert verteidigten Dorfes San Pietro Infine, dessen Ruinen als Mahnmal und Museum erhalten werden – und schon für Filmaufnahmen genützt worden sind. Das Dorf ist ein Stück unterhalb der Ruinen komplett neu aufgebaut worden.

Gedenken an die Gefallenen der 34. (US) Infanteriedivision in San Angelo

Am frühen Abend, es hatte wohltuend abgekühlt, fand die Gedenkfeier beim Dorf San Angelo, neben Cassino am Rapido gelegen statt. Hier hatte die 34. (US) Infanteriedivision bei ihrem gescheiterten Angriffsversuch in einer Nacht fast 2.000 Tote zu beklagen, viele davon sind in den damals reißenden Fluten ertrunken. In einer bewegenden Zeremonie wurden deshalb auch in diesem Jahr im Rahmen der Gedenkfeier Kränze und Blumen vor der Brücke herab dem Fluss übergeben.

Polnische Gedenkfeier mit erfreulichen Aussagen zu Deutschland

Die Polnische Gedenkfeier fand am Montag, 18. Mai auf dem eindrucksvoll zwischen der Abtei und der Höhe 593 gelegenen polnischen Soldatenfriedhof statt. Die Teilnahme der deutschen Delegationen des Volksbundes, des BDF, der DMCV, der Deutschen Monte-Cassino-Stiftung und der gemischten Schulklasse und die entsprechende Beteiligung bei der Kranzniederlegung waren im polnischen Protokoll eingeplant (diese Anmerkung ist nicht unbedeutend, das war früher nicht so einfach). Wie in jedem Jubiläumsjahr war die polnische Feier die eindrucksvollste, aber auch längste Gedenkfeier unter Beteiligung des polnischen Staatspräsidenten, des Primas von Warschau und der Tochter von General Anders (ehem. KG des polnischen Korps bei Cassino) sowie einer Vielzahl politischer und geistlicher Würdenträger der katholischen, orthodoxen und jüdischen Konfessionen. Das eindrucksvolle militärische Zeremoniell wurde wie immer ergänzt durch das Auftreten einer großen Zahl von Veteranenabordnungen, Jugendgruppen und „Reenactor-Groups“ mit der Ausrüstung der polnischen Truppen des WK ll. Die Gedenkfeier ist eine Feier der polnischen Nation mit Fahnenweihe, Hochamt, des Primas, Ehrensalut und vielen und teilweise auch ausführlichen Reden in polnischer und italienischer Sprache. Teilweise wurde ins Englische übersetzt und hier gab es für die deutschen Teilnehmer erfreuliche Aussagen und eine überwältigende Szene. Bei der Begrüßung der Gäste durch den polnischen Veteranenminister Janusz Krupski gab es zweimal allgemeinen Applaus: einmal bei der Begrüßung der Tochter von General Anders und zum zweiten Mal bei der Begrüßung der zahlreichen deutschen Teilnehmer. Die deutschen Teilnehmer standen zwar nicht in komplett einheitlichem Anzug, aber als deutsche und Fallschirmjäger klar erkennbar diszipliniert bei den polnischen Veteranen und Reenactors. Hier sei allen Beteiligten, die diese lange zeit so standhaft durchgehalten haben, ein großes Lob ausgesprochen. Deutschland war würdig vertreten.
Auch in der Grußadresse des polnischen Staatspräsidenten hat dieser die deutschen Teilnehmer besonders erwähnt, der gefallenen Deutschen gedacht und darauf hingewiesen, dass die Deutschen heute Verbündete der Polen seien.
Der Bürgermeister der Stadt Cassino würdigte in seinem Grußwort ebenfalls die deutschen Gefallenen, es habe auch unter ihnen viele Tote gegeben, die für einen Falschen Krieg gekämpft haben; sie seien genauso in Ehren zu halten.
Bei der Kranzniederlegung waren die deutschen Kranzträger weit vorne eingeteilt und Objekt großen Interesses des polnischen Fernsehens, wie Jupp Klein, der zusammen mit einem polnischen Veteranen mit der Abtei im Hintergrund ausführlich interviewt worden ist.
Nach der Gedenkfeier gab es, durch die Fahrer vorbereitet, gleich auf dem Parkplatz am Bus eine erfrischende Stärkung als hochwillkommene Erholung.

Deutsch-österreichische Gedenkfeier

Die hauptsächliche deutsche Gedenkfeier findet unter internationaler Beteiligung immer auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Caira statt. Er ist ein Ort des Gedenkens für die Angehörigen und Kameraden von 20.000 Gefallenen der Kämpfe um Süditalien, davon ca 1.800 Fallschirmjäger. Ergänzend wird von den Hoch- und Deutschmeistern eine Gedenkfeier auf dem von ihnen damals zäh verteidigten Colle Abate unter Einbeziehung der Gemeinde Terelle gestaltet.

Die Gedenkfeier auf dem Soldatenfriedhof Caira

An der deutschen Gedenkfeier am Dienstag, 19. Mai, haben Vertreter vieler Nationen teilgenommen, von ehemaligen Verbündeten über Vertreter aus fast allen ehemaligen Gegnernationen bis hin zu einer Delegation der schwedischen Militärakademie und natürlich auch wieder die deutsch-polnische Schulklasse mit ihren begleitenden Lehrern/Projektleitern.
Die Stadt Cassino war durch ihren stellvertretenden Bürgermeister, die deutsche Botschaft in Rom durch den stellvertretenden Botschafter und zwei Militärattachés vertreten.
Nach einer einführenden Begrüßung der Anwesenden durch Kamerad Krug zelebrierte Monsignore Hermann Völk standhaft mit seinen 90 Jahren eine Gedenkandacht. Aus einem Buch über Napoleon, das ihm damals in den Trümmern von Cassino zufällig in die Hände gefallen war, zitierte er Napoleon, der auf St. Helena geschrieben hat: „Zwei Mächte gibt es in der Welt, das Schwert und den Geist, niemals aber siegte das Schwert.“ Demzufolge siege auch das Kreuz mit dem senkrechten Balken als Sinnbild der Liebe Gottes zu den Menschen und dem waagrechten Balken der Nächstenliebe, der Kameradschaft.
Als absolutes Highlight der deutschen Gedenkfeier war der Beitrag der deutsch-polnischen Schülergruppe, aus der immer ein deutscher und ein polnischer Schüler gemeinsam vortraten und in beiden Sprachen erläuterten, warum sie hier seien und Kränze für die Gefallenen niederlegten. „In diesen Kränzen haben wir unsere Gedanken niedergelegt“, trugen sie vor: „Wir müssen dem Krieg ein Ende setzten, sonst setzt uns der Krieg ein Ende! Jeder Krieg ist eine Niederlage des menschlichen Geistes! Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen, doch es sind die Toten die den Lebenden die Augen öffnen.“ Ein gesungener Friedenswunsch beschloss ihren Vortrag. Tief beeindruckt – für deutsche Gedenkfeiern außergewöhnlich – applaudierten die Anwesenden.
Der stellvertretende deutsche Botschafter, Friedrich Däuble, dankte der Schülergruppe: „Man kann an dieser Stelle kaum etwas Besseres sagen“ und diese Darbietung habe in besonderem Maße die Hoffnung auf eine bessere Zukunft genährt. Diesen Gedanken griff auch der Vertreter des Volksbundes, Dr. Friedrich Keller, auf, in Europa sei Krieg nicht mehr denkbar und er hoffe, dass von diesen Feiern Hoffnung auf Besserung in der Welt ausgehe.
Der polnische Priester Stanislaw Wienski sprach in Deutsch als Vertreter der starken Gruppe der polnischen Veteranen: „Wir sind hier, der Gefallenen zu gedenken und besonders Gott zu bitten, dass das Opfer der Gefallenen zum Grundstein für ein friedliches Europa werde.“ Und auch seine Schlussworte: „In diesem Sinn >Glück ab< zur Versöhnung in Europa!“ wurden mit lang anhaltendem Applaus belohnt.
Der Vertreter der Hoch- und Deutschmeisterdivision, Herr Dr. Otto Kratschmayr, fasste sich kurz und wünschte sich eine Würdigung der Verdienste von Julius Schlegel bei der Rettung der Kunstschätze der Abtei Monte Cassino, die ein Beweis dafür seien, dass auch in Zeiten härtester Kämpfe der Schutz von Kulturgut möglich sei.
Der Präsident des BDF, GenMaj a.D. Georg Bernhardt, fasste sich ebenfalls kurz,dankte den Organisatoren des Gedenkens und schloss mit der Feststellung: „Wir haben heute erlebt, dass aus diesen Gräbern Zuversicht und Hoffnung entsteht.“
Jupp Klein hat als Vertreter der Veteranen gesprochen und wandte sich besonders an die damaligen Kämpfer beider Seiten. Dazu zitierte er aus einer Schrift von Erich Hanke, einem Teilnehmer des Zweiten Weltkriegs an allen Fronten, der im Rückblick auf seine Erlebnisse feststellte, was sich damals ereignet habe, sei verlorene Zeit gewesen, nie wieder dürfte Gleiches geschehen. Er wünsche sich mehr Achtung in Deutschland gegenüber der Kriegsgeneration, die in vielen Zusammenkünften ehemaliger Gegner – und Cassino sei ein leuchtendes Beispiel hierfür – es geschafft habe, dass aus ehemaligen Kriegsgegnern engste Freunde geworden seien.
Durch die Vielzahl und die Länge der Reden und einige unnötige weitläufige Abschweifungen kam es nach dem niederlegen der Kränze (der polnische Kranz leider erst ganz zum Schluss) zu einem raschen Ende der Gedenkveranstaltung, der man sich ein würdiges Ende gewünscht hätte.

Das Gedenken auf dem Colle Abate

Anschließend teilte sich die deutsche Gruppe. Die noch Rüstigen erklommen den Colle Abate, nahmen dort an der traditionellen Gipfelmesse und der anschließenden Kranzniederlegung teil. In seiner Predigt erinnerte Don Germano an die Gesten der gegenseitigen Ritterlichkeit der Gegner am Colle Abate an Weihnachten 1943, die leider nirgendwo veröffentlicht seien. Dr. Kratschmayr dankte dem Pfarrer von Sora, Don Angelo, und Don Germano Savelli aus der Abtei Monte Cassino, dass sie die Teilnehmer wieder zur Trauerfeier zusammengeführt haben; was für die Fallschirmjäger das Kloster, das sei für die Hoch- und Deutschmeister der 44. InvDiv der Colle Abate.
Die weniger Rüstigen besuchten in der Zwischenzeit das Museum in Cassino mit seiner multimedialen Darbietung der Geschichte Cassinos.

Commonwealth-Gedenkfeier

Am Freitag, 22. Mai nahm eine Busbesatzung an der Commonwealth-Gedenkfeier teil, der andere Bus fuhr zur Besichtigung nach Pompeji und an den Vesuv.
Die Gedenkfeier auf dem Commonwealth war vorbildlich organisiert und im Aufbau geplant. Sie ist in der Hitze und den Veteranen angemessen kurz und als Gedenken an die gefallenen auf den Punkt gebracht, aber auch sehr würdig gestaltet abgelaufen. Die deutsche Abordnung, dabei als offizieller Vertreter der Botschaft in Rom der Luftwaffenattaché, OTL i.G. Harald Guta, wurde sehr gastfreundlich aufgenommen. Nach der Begrüßung durch den Militärgeistlichen an der britischen Botschaft in Rom wurde das allgemein bekannte Lied „Amazing Grace“ angestimmt. Diesem folgten kurze, aber einprägsame Worte des Sprechers der Veteranenvereinigung, gerichtet an die Gefallenen, an die Angehörigen, an die Einheimischen und die Abteiangehörigen. Der Bürgermeister von Cassino richtete ein kurzes Grußwort an die Teilnehmer. Ein Gebet des Militärgeistlichen mit der Bitte um Erfolg für diejenigen, welche für die Versöhnung arbeiten, und solche, die unter den Folgen des Krieges leiden mussten, schloss mit einem anglikanischen Kirchenlied.
Das Signal des Hornisten eröffnete die Kranzniederlegung der Nationen, diesen folgten die Kränze/Gebinde der Verbände und Kameradschaften und Privatpersonen, im weiteren Verlauf von den eindrucksvollen Klängen eines Dudelsackspielers begleitet. Mit einem letzten Kirchenlied schloss die britische Gedenkveranstaltung. Im Anschluss trafen sich die geladenen Gäste im ersten Hotel am Platz. Beim Sektempfang im Garten gab es wieder ausreichend Gelegenheit, sich quer durch die Nationen ausgiebig näher zu kommen, um dann in den Speisesaal zum gediegenen Mehrgängemenü an den Nationentischen zu wechseln.
Das war rundherum eine vorbildliche Feier. Einstimmiges Urteil der deutschen Teilnehmer: „So sollte das in Zukunft auch auf dem deutschen Friedhof laufen!“.

Der Papst in Cassino – und 50-jähriges Priesterjubiläum Monsignore Völk

Am Sonntag, 24. Mai waren Stadt und Umgebung in Aufruhr und nahezu im Belagerungszustand, da Papst Benedikt XVI. Stadt und Abtei besuchte. Zu diesem Zweck ist eine Busbesatzung extra noch länger in Cassino verblieben, während die andere sich schon auf den Rückweg nach Deutschland gemacht hatte.
Die deutsche Gruppe war angemeldet. Dennoch machten sich alle frühzeitig im Bus auf den Weg, um sich die guten reservierten Plätze auch zu sichern. Einer war besonders unruhig: Monsignore Hermann Völk, der an diesem Tag sein 50. Priesterjubiläum feierte, aus diesem Grund einen Ehrenplatz in der nähe des Papstes einnehmen durfte und am Nachmittag zur Audienz in die Abtei geladen war. Ein schöneres Jubiläumsgeschenk ist wohl kaum möglich. Die Kameraden feierten mit.
Der größte Platz der Stadt war überfüllt, schon lange vorab wurden die Teilnehmer durch Chorgesänge eingestimmt und als der Papst eintraf, brach der Jubel der Bevölkerung erst mit beginn der hl. Messe ab. Es war auch für Nicht-Katholiken ein feierliches Erlebnis, mir ist jedenfalls kein Teilnehmer bekannt, der die längere Verweildauer in Cassino bedauert hätte.

Militärisches und historisches Informationsprogramm

Da zwischen den Gedenkfeiern Zeit für andere Vorhaben gegeben war, hat Kamerad Krug entsprechende Fahrten/Besichtigungen mit (militär-) historischem Hintergrund eingeplant und durchgeführt.
An einem Tag war die Gelegenheit geboten, die Stadt Cassino zu besichtigen und dann an einer Führung in der Abtei und rund um die Abtei durch Don Germano Savelli teilzunehmen. Dabei zelebrierte Monsignore Völk eine hl. Messe in der Krypta. An einem Tag konnte Rom mit seinen wundervollen Sehenswürdigkeiten nach einer Fahrt entlang der deutschen Rückzugslinien und Ausweichstellungen entlang des Liri-Tals besichtigt werden.
An einem anderen Tag fand die erwähnenswerte Fahrt zum Vesuv und nach Pompeji durch das Vorfeld der Gustav-Linie statt. In der Region um den Vesuv sind Notfallpläne ausgearbeitet, in denen auch die Mitwirkung der Streitkräfte erfasst ist.
Eine Exkursion nach dem im Krieg zum Jahreswechsel 1943/44 heiß umkämpften Ortona an der Adriaküste entlang der Gustav-Linie war ein militärhistorisches Highlight durch die authentischen Einweisungen in das ehemalige Kampfgelände und Erlebnisberichte von Jupp Klein. Dieser war damals als Pionier an vielen Brennpunkten eingesetzt und erinnert sich durch seine vielen Fahrten in der Nachkriegszeit noch sehr genau an die damaligen Ereignisse (nachzulesen auch in seinem überarbeiteten und neu aufgelegten Buch „Fallschirmjäger – Pioniere der 1. Fallschirmjägerdivision im Italienkrieg“).

Viele kleine, aber bedeutende Ereignisse am Rande

Neben diesem offiziellen Programm und den Alternativprogramm gab es noch viele kleine Ereignisse und viele interessante Begegnungen.
Bei den Ereignissen ist zumindest zu erwähnen, dass der Präsident des BDF, GenMaj a.D. Bernhardt, dem Organisator Ernst Krug und seiner Ehefrau sowie Jupp Klein gedankt hat für enorme Leistung bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Gruppenreise. Kommentar des Generals: „Wer viel macht, macht viele Fehler; Kamerad Krug hat viel gemacht, aber nur wenige Fehler!“ Außerdem überreichte er ein Dankgeschenk an den Organisator des Volksbundes für die Gedenkfeier in Caira, Hptm d.R. Schrader.
Weiterhin darf bei den Ereignissen nicht unerwähnt bleiben, dass einige Teilnehmer die Albaneta, die Cavendish-Road und zusammen mit dem neunzigjährigen Monsignore Völk in wilder Kraxelei durch Dornengestrüpp die Höhe 593 genommen haben. Dort bekamen diese eine detaillierte Einweisung, wie sich dem damaligen Oberleutnant und Kompaniechef die Lage vor Ort dargestellt hat.
Bei den interessanten Begegnungen ist wohl an erster Stelle das zufällige Zusammentreffen und der intensive Erlebnisaustausch zweier Cassino-Veteranen auf dem deutschen Friedhof zu nennen, die sich damals bei Pontecorvo gegenübergelegen sind, Father R.S.H. Greene SSC und Johann Wenzlik von der PzJgAbt 33 der 15. Pz-GrenDiv.

Anmerkungen

Es ist zu wünschen, dass die deutschen Behörden und Organisationen sich wenigstens in ähnlicher Form an dieser Arbeit engagieren, wie das bei der britischen Seite der Fall ist. Unser Geschichtsbewusstsein in Deutschland sollte nicht in Verdun halt machen und das Gedenken an die Ereignisse um Cassino, die militärischen Leistungen, die Gefallenen und Opfer der Kämpfe verdrängen – nur weil sich das zufällig in einem unglückseligen politischen deutschen Geschichtsabschnitt ereignet hat. Die Erinnerung an das von den alliierten Gegnern ausdrücklich anerkannte und gewürdigte faire Verhalten der deutschen Soldaten bei Cassino und vor allem die herausragend mutige Eigeninitiative des damaligen OTL der Fallschirmtruppe, Julius Schlegel, zur Rettung der Kulturschätze der Abtei von Monte Cassino sollte in Deutschland als vorbildliches Beispiel in düsteren politischen Zeiten gewürdigt werden.
Die in Cassino gewachsenen engen Verbindungen zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern im Sinne der Völkerverständigung sollte auch im militärischen Bereich gepflegt werden, so wie es die Deutsche Monte-Cassino-Stiftung zum Beispiel für Jugendliche mit der Unterstützung des Projekts der gemeinsamen deutsch-polnischen Klassenfahrt fördert.
Die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist in dieser Hinsicht bedeutsam, aber ohne Beteiligung der aktiven Truppe nur unvollkommen wirksam. Des Weiteren wäre auf Grund inzwischen mehrfacher „leidvoller“ Erfahrung bei verschiedenen Gedenkfeiern zu wünschen, dass die deutschen Gedenkfeiern der Zukunft sich am ausgezeichneten britischen Beispiel orientieren sollten. Kurz, auf den Punkt kommend und würdig. Was die deutsch-polnische Schulklasse in diesem Jahr in Caira vorgetragen hat, war nicht zu überbieten an treffender, einprägsamer Aussagekraft. Nach einem solchen Vortrag und dem religiösen Teil des Gedenkens wäre deshalb ein Verzicht auf weitere mehrfache Gedenkreden und Grußworte naheliegend. Die Umrahmung durch Musik und Gesang sollte jedoch weiterhin die Nationalhymnen (Gastland, Deutschland) einschließen.
Mit solcher „Besserwisserei“ soll der Bericht aber nicht enden, sondern mit der Zusammenfassenden Feststellung, dass es mit einem Kraftakt gelungen ist, eine würdige deutsche Vertretung bei den internationalen 65-Jahr-Feiern in Cassino zu stellen. Dank dafür an alle Mitwirkenden und Teilnehmer. Das Beispiel sollte Ansporn sein für die kommenden Jahre und die anderen Orte des Gedenkens an Einsätze der deutschen Fallschirmjäger. (Oe)

17. April 2011