Ausflug an den Hartmannsweiler Kopf

14 Kameradinnen und Kameraden brachen am Fr. den 24 August in 2 Kleinbussen auf, um den Hartmannsweilerkopf (franz.: Hartmannswillerkopf) in den Südvogesen im Elsass zu besichtigen.

Treffpunkt am Abend war die Unterkunft im Hotel Krone in Neuenburg. Bei dem gemeinsamen Abendessen wurde das Vorhaben für den Samstag erörtert.

„Auf Grund seiner exponierten und strategisch günstigen Lage mit Ausblick in die elsässische und Oberrhein-Ebene war der Hartmannswillerkopf im Ersten Weltkrieg zwischen Deutschen und Franzosen erbittert umkämpft:

Der Kampf um den Gipfel begann am 31. Dezember 1914. Die schwersten Kämpfe gab es am 19./20. Januar, 26. März, 25./26. April und 21./22. Dezember 1915. In den vier Kriegsjahren wechselte die Bergkuppe vier Mal ihren Besitzer. Ab etwa Mitte 1916 reduzierten beide Seiten ihre Truppen dort; intensivere Kämpfe fanden in nördlicheren Frontabschnitten statt. Ab 1916 fanden im Wesentlichen nur noch Artillerieduelle statt. Beide Seiten beschränkten sich darauf, ihre Linien zu halten.

In den Schanzenkämpfen am Hartmannswillerkopf fanden 30.000 französische und deutsche Soldaten den Tod. Etwa doppelt so viele wurden verletzt. Sie führten jedoch für keine Seite zu einem Ergebnis und stehen heute deutlich für die Sinnlosigkeit des Krieges. Ein Umstand, die der Bergkuppe die Bezeichnung als „Menschfresser“ oder „Berg des Todes“ einbrachten.

(Anm. d. Verf.: Laut Auskunft der Wanderführerin haben neuerliche Erkenntnisse die Zahlen der gefallenen Soldaten relativiert. Auf französischer Seite fielen ca. 7500 und auf deutscher Seite 6500 Soldaten.)

Am 3. August 2014, dem 100. Jahrestag der Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich (Erster Weltkrieg), trafen sich am Hartmannswillerkopf Bundespräsident Joachim Gauck und der französische Staatspräsident François Hollande. Am 10. November 2017 weihten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Staatspräsident Emmanuel Macron ein gemeinsames deutsch-französisches Museum zum Gedenken an die Gefechte ein.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Am Samstag morgen fanden sich also die Kameradinnen und Kameraden am Hartmannsweiler Kopf ein, wo sie von einer Wanderführerin bereits erwartet wurden.
Von 10 bis 13 Uhr wurde durch die vielen Schützengräben, Stellungen, Unterstände, Bunker und Stollen bis zum Gipfel des HWK gewandert. Dabei erhielt die Gruppe einen Einblick in das Kriegsgeschehen und das Alltagsleben der Soldaten. Leider war an diesem Tag zum ersten Mal seit vielen Wochen ein regnerischer und windiger Tag, aber die Zeit verging bei dem zum Teil etwas schwierigen Fußmarsch für die älteren Mitglieder sehr schnell durch die ausgezeichneten und kompetenten Berichte und Erzählungen unserer Wanderführerin.

Der ganze Berg ist wie ein Schweitzer Käse mit ungefähr 60 km Befestigungsanlagen durchzogen. Die Soldaten waren bei der Namensgebung der unterschiedlichen Stellungen sehr einfallsreich, so entstanden z. B. der „Christ-Stollen“ und „Oster-Stollen“, der „Bremer Ratskeller“ oder es wurden die Namen der Liebschaften und der Gattin eines beliebten Offiziers vergeben.

Nachdem die Kämpfe in den Kriegsjahren 1916-1918 abflachten, da sich eine Patt-Situation mit nur wenigen Metern Front-Verschiebung ergeben hatte, verlor der Hartmannsweilerkopf seine strategische Bedeutung und wurde zu einem Nebenkriegsschauplatz. Es kam es zu interessanten Verständigungen unter den sich gegenüberliegenden Soldaten, so wurden beispielsweise Blechbüchsen als Zielscheiben aufgestellt. Die Soldaten informierten die gegnerische Seite über die Zeitpunkte von Angriffen, indem man eine Nachricht mithilfe eines Steines in den gegenüberliegenden Schützengraben warf, so sollte unnötiges Blutvergießen verhindert werden oder die Schützengräben konnten vor einer Handgranaten-Attacke geräumt werden, dieses „Spiel“ wurde dann umgekehrt durchgeführt und danach wurden die Schützengräben wieder „aufgeräumt“. Ein beliebtes Ziel von Patrouillen deutscher Seite war auch das Proviantlager der Franzosen mit Champagner und Rotwein.

Als der 1. Weltkrieg am 11. November 1918 zu Ende war überquerten die Soldaten das Niemandsland und luden sich gegenseitig in ihre Unterstände ein. Auch nach Ende des Krieges kam es zu versöhnenden Treffen noch lebender Veteranen der Kämpfe um den Hartmannsweilerkopf. Zu diesem Anlass wurde zunächst ein Gottesdienst gehalten und danach wurde gemeinsam gegessen und getrunken, vor allem viel Rotwein.

Nach diesen interessanten Einblicken hatten sich die Kameradinnen und Kameraden eine Erholungspause in der Cafeteria verdient. Im Anschluß wurde das neue Deutsch-Französische Museum „Historial“ besichtigt, hier wurden die gesellschaftspolitischen Faktoren, die zum Ausbruch des 1. Weltkriegs führten, in Film/Bild und Wort-Dokumenten aufgeführt. Eine umfangreiche Sammlung von weiterem militärhistorischen Material war ebenfalls für die Besucher ausgestellt. Insgesamt kann man das Deutsch-Französische Historial als sehr interessant und „pädagogisch wertvoll“ bezeichnen.

Der Tag ging mit einem geselligen Beisammensein in der Unterkunft zu Ende und die Kameradinnen und Kameraden kamen nach der Rückfahrt am Sonntag wieder wohlbehalten zuhause an.

20. September 2018