Die DMCV in Monte Cassino 2011

Samstag, 14. Mai 2011.
27 Teilnehmer, darunter 7 Veteranen, für die Fallschirmjägerkameradschaft Frankfurt Wiesbaden Jerry mit Fahne auf dem Weg nach Italien. Drei Kleinbusse gesteuert von
Kai Michael, Bernd und Ernst Krug. Zwischenübernachtung in Leifers bei Bozen. Ein grauer Tag im Regen jenseits der Alpen auf der Strada del sol bis hinunter nach Cassino.
Ernst Krug, Vorsitzender der Deutschen Monte Cassino Vereinigung hat die Fahrt organisiert und ein Programm für fast 6 Tage zusammengestellt. Für die Veteranen ein Wiedersehen mit den Stätten ihrer Kämpfe, Siege und Niederlagen.

Tag 1 – Sonntag nach der Anfahrt.
Nachmittags amerikanische Gedenkstätte San Angelo. An der alten Brücke über dem Rapido dominiert die große Freiheitsglocke den Platz. Ein Gewitter geht nieder, über der Szene spannt sich ein Regenbogen. Versammelt die Bürgermeisterin der Stadt Cassino mit der landesüblichen Schärpe, amerikanische Abordnungen, Veteranen aus Texas, Vertreter Neuseelands, Polens, Südafrikas und Kanadas. Für die DMCV sind Audi und Ingo mit einem Kranz angetreten. Flankiert von Hans und Bernd senkt Kai Michael die Fahne zu den Klängen von „Il silenzio“. Am Rednerpult unter dem Sternenbanner DMCV Vorsitzender Ernst Krug, Applaus für seine eindringlichen Worte zu Erinnerung, Frieden und Versöhnung. Noch nie hat ein Deutscher an dieser Stelle gestanden. Anschließend werden die Kränze von der Brücke herab den Wellen des Rapido übergeben. „Mögen sie unsere lauten Stimmen nach Frieden hinaustragen in die Welt“ hatte die Bürgermeisterin zuvor gesagt.

Tag 2 – Pomezia, Deutscher Friedhof.
Gräber, soweit das Auge reicht. Veteran und Ritterkreuzträger Herbert legt einen Kranz nieder. In seinen Gedenkworten fragt Ernst Krug „Warum so viele Opfer?“ und erläutert die Hintergründe angesichts dieser 27500 Gräber.
Nettuno, der amerikanische Friedhof. In der weitläufigen Parklandschaft ein Monument aus weißem Marmor, auf ihm tausende von Namen graviert und für immer festgehalten, die Ausstattung kostbar und edel, Ausdruck einer Opferbereitschaft, wie sie nur wahre Helden verdienen. – Anzio Nettuno, militärhistorische Sammlung in altem Gemäuer

Tag 3 – Piedimonte.
Auf der Höhe über dem Ort erläutert Herbert den Gefechtsablauf am Sengerriegel. Am 19.März 1944 hatten hier Pioniere mit Unterstützung der Organisation Todt eine Stellung aufgebaut. San Appolinare, der Mittag im Rathaus. Großer Empfang beim Bürgermeister und den städtischen Gremien. Pizza und Rotwein. Lokalhistoriker Giuseppe de Cicco erläutert die Ereignisse des Winters 1944, Cosmo übersetzt. Ernst Krug bedankt sich für die herzliche Gastfreundschaft, revanchiert sich mit einer Einladung nach Deutschland. Lang anhaltender Beifall. Der Nachmittag Geschichte zum Anfassen. De Cicco, ein „ Hüter des verlorenen Schatzes“, Nachlassverwalter und Verehrer von Generalfeldmarschall Albert Kesselring +1960, öffnet sein geheimes Reich. In einem Waldstück Bunker und Arbeitsräume des Generals. Die Innenausstattung original komplett erhalten, Möbel, Bücher, Bilder, Feldtelefon, als wäre er gerade erst ausgezogen. Im Arbeitszimmer eine Reliquie des Hl. Benedikt. Wer sie besitzt, den trifft kein Unglück, so die Legende.

Tag 4 – Im Brennpunkt „Kloster Monte Cassino“.
Wieder aufgebaut mit internationaler Hilfe, stolz und wehrhaft 500 m über der Ebene. Benediktiner Don Germano empfängt die Deutschen im Kreuzgang, Michele di Lonardo führt durch Räume, über Treppen und Plätze. Am Nachmittag ein Abstecher zum polnischer Friedhof, monumentale Anlage in weißem Marmor unter azurblauem Himmel. Antonio führt auf die einsame Höhe des Calvarienberges, Höhe 593, dessen polnisches Mahnmal weit in’s Land schaut, weiter zum historischen Gutshof Massa Albaneta. Einem Dinosaurierrelikt aus grauer Vorzeit gleich das Panzerdenkmal zur Erinnerung an die Gefechte an der Cavendish Road. Auf dem Rückweg „Willkommen in meinem Gartenhaus“. Antonio lädt ein zum Umtrunk und kredenzt zitronengelbes Hochprozentiges aus eigener Herstellung.

Tag 5 – Caira, Deutscher Friedhof 67.
Jahrestag des Endes der Kampfhandlungen. Unter dem Kreuz versammelt italienische Abordnungen, mit ihren rot-weiß-grünen Fahnen, Bersagleri, Veteranen, der katholische Pfarrer Don Claudio Monti, die evangelische Pfarrerin Manuela Dröger, von der Stadt Cassino die stellvertretende Bürgermeisterin und Dr. Lena. DMCV-Vorsitzender Ernst Krug begrüßt die Anwesenden. In seiner Rede stellt er die Persönlichkeit Julius Schlegel in den Mittelpunkt. Ihm ist die Rettung von Kulturgut europäischer Bedeutung aus Klosterbesitz zu danken. Der Oberstleutnant hatte im Okt./Nov. 1943 den Abtransport organisiert und die gesamten Kunstschätze unbeschadet dem Vatikan übergeben. Ein Mann mit Mut, Uneigennützigkeit und Verantwortungsbewusstsein, unter hohem persönlichen Risiko über sich selbst hinausgewachsen. Selten kommen sich Befreiung und Zerstörung so nahe wie hier in M. Cassino, die Vorgänge des Jahres 1944 zeigen, dass manchmal die Grenzen verschwimmen, fasst Ernst Krug abschließend zusammen.
Würde und feierliche Stille liegen über dem Platz. Die beiden Geistlichen: Die Zukunft neu gestalten mit weniger Leid und Gewalt, denn „Im Krieg gibt es keine Sieger, nur Opfer“. Für die DMCV legen Hans und Frieder einen Kranz nieder. Kai Michael, Ingo, Jerry und die italienischen Abordnungen senken die Fahne.„Il silenzio“ und „Ich hatt’ einen Kameraden“ auf der Trompete beenden die Feierstunde. In den Räumen der Kriegsgräberfürsorge trifft man sich bei einem Imbiss zum Gedankenaustausch.
Mediterrane Gastfreundschaft. Zwei Einladungen aus dem Kreis der italienischen Freunde: ein Abend bei Walter. Eine gesellige Runde bei Allessandro und Julia. Die gedeckte Tafel im Freien, selbstgemachte Spaghetti, Fleisch vom Grill und vino rosso. Zu vorgerückter Stunde flirtet Kurt heftig mit Julia, umgarnt sie mit dem Charme des Alters, ein unvergesslicher Abend voller Leichtigkeit und Lebensfreude.

Tag 6 – Venafro.
Private militärhistorische Sammlung mit nachgestellten Szenen entlang der „Winterlinie“. (Reinhardlinie) Französischer Soldatenfriedhof. Am Nachmittag Ruinendorf San Pietro. Leere Fensterhöhlen in zerfallenem Gemäuer, ein kleines Museum mit Filmvorführung, davor eine Kanone unter den Fahnen der Alliierten, im Hintergrund ein Hotel. Fahrt zur Mignano – Enge, die Pforte zum Lirital. Besuch des italienischen Soldatenfriedhofs am Monte Lungo, Erinnerung an die Kämpfe der 5. Armee im verlustreichen Winter 1943. Abschiedsabend im Hotel Rocca. Festlich gedeckter Tisch. Dabei die italienischen Freunde Allessandro und Julia, Cosmo und Rita, Walter und Lucca, die beim Dolmetschen behilflich waren, Historiker Giusseppe de Sicca, Ortsvorsteher Simone und Domenico, Verwalter des Deutschen Friedhofs. Mit einer Ehrengabe dankt Ernst Krug allen, einschließlich der Hotelchefin Sign.Rocca für ihre Hilfsbereitschaft und die herzliche Gastfreundschaft. Zum ersten Mal Ehrungen der DMCV: Ehrenzeichen 1.Klasse mit Urkunde für Dieter, Ehrenzeichen 2.Klasse in Silber mit Urkunde Bernd und Erika. Heiter und gesellig der Ausklang, schwer der Abschied.

Zeitig am nächsten Tag die Abfahrt in Richtung Heimat. Im Hotel Rotwand in Leifers die Zwischenübernachtung mit Kameradschaftsabend. Frieder dankt dem Vorsitzenden im Namen der gesamten Gruppe für die aufwendige Vorbereitung und Organisation, reichlich Beifall. Am nächsten Morgen Abfahrt nach Hause.

Erika Müller

16. Juni 2011