Frieden ist immer wieder eine Aufgabe

„Frieden und Versöhnung sind keine Selbstverständlichkeit“: Bürgermeister Hans Benner und Bezirksdekan Michael Niermann (r.) sprachen sich gestern bei der Gedenkfeier im Marienbader Park in Herborn für mehr Verantwortungsgefühl und Engagement jedes einzelnen Bürgers aus.

“Frieden ist immer wieder eine Aufgabe“
Herborn (klk/s). Viele Gedenkfeiern anlässlich des Volkstrauertags haben gestern die Menschen zusammengeführt. Überall gedachten sie der Opfer der beiden Weltkriege und der ermordeten, verfolgten und vertriebenen Menschen auch in anderen Staaten.
„Niemals dürfen wir damit aufhören, uns die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt vor Augen zu führen“, mahnte Herborns Bürgermeister Hans Benner (SPD) am neu errichteten Mahnmal im Marienbader Park: „Der Volkstrauertag hat seine uneingeschränkte Berechtigung, den er mahnt die heutige Generation zum Frieden!“
Gemeinsam mit dem katholischen Bezirksdekan Michael Niermann und unterstützt von der Traditions-Kameradschaft Fernspähtruppe im Bund Deutscher Fallschirmjäger legte Benner in der neu gestalteten Anlage gegenüber vom ehemaligen Krankenhaus einen Kranz nieder.
Das Herbornseelbacher TV-Orchester und der Kirchenchor der Herborner St. Petrus Pfarrgemeinde, der kurzfristig für den Betriebschor des Psychiatrischen Krankenhauses eingesprungen war, begleiteten die im Regen stattfindende Zeremonie.

Schlussstrich darf es nicht geben
„Frieden und Versöhnung sind keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Aufgabe, die immer wieder neue Anstrengungen erfordert“, erklärte der Bürgermeister. Die Toten der beiden Weltkriege und die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur seien Teil der deutschen Geschichte und ihrer Wurzeln, erinnerte er. Benner sprach auch die Gedenktage der Nachbarstaaten an, in denen sich das öffentliche Verständnis von der Rolle der jeweiligen Nationen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts offenbare. „Sehen sie sich als Opfer oder Sieger, als Befreier oder Befreite durch andere oder durch sich selbst?“, fragte Banner, um anschließend die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Politik zu unterstreichen. Europa sei seit mehr als 50 Jahren „ein äußert erfolgreiches Bündnis von Staaten, die friedlich und gleichberechtigt miteinander leben“, erklärte Benner.
Auch Bezirksdekan Niedermann widersprach den Stimmen, die einen Schlussstrich fordern: Immer weniger Menschen könnten noch von Krieg und Bombenhagel und dem Verlust von Freunden und Verwandten berichten. Auch das Handeln von immer weniger Politikern sei durch die Erfahrung von Not am eigenen Leib geprägt. Dabei seien Frieden und Wohlstand spätestens seit dem 11. September bedroht. Dabei sei es falsch sei es falsch, sich nach Sündenböcken umzusehen und Stammtischparolen nachzulaufen. Wer sich wünsche, dass Frieden und Freiheit immer erhalten bleiben, solle an Tagen wie diesem der Opfer aller Völker gedenken, auf dass es keine mehr gebe.

17. April 2011