Gedenkfeiern Monte Cassino 2009

Zum 65. Jahrestag der Schlacht um Monte Cassino fuhren 123 Mitglieder und Gäste der TraKa Fernspähtruppe im BDF nach Cassino. Mit Kranzniederlegungen auf dem deutschen, englischen, italienischen und polnischen Kriegsgräberfriedhof beteiligte man sich an den Gedenkfeiern zu Ehren der vielen Tausend Toten. Vorsitzender Ernst Krug hatte die Fahrt organisiert. Am Donnerstag, dem 14.05 startete er mit einem Vorauskommando im VW-Bus, der unterwegs im Ostallgäu Msg. Hermann Völck aufnahm. Er war 1944 als Leutnant und Kompaniechef bei der 1. Fallschirmjägerdivision. Mit an Bord war auch Ritterkreuzträger Herbert Fries. Nach einer Zwischenübernachtung in Leifers nahe Bozen erreichte die Gruppe am nächsten Tag die Kleinstadt Cassino in der Provinz Frosinone und bezog im Hotel Pavone Quartier. Bald stieß auch Walter Janetta dazu, Krugs hilfreicher Mitarbeiter und Dolmetscher vor Ort.

Am Samstag begannen die mehrtägigen Feierlichkeiten mit einer Kranzniederlegung am italienischen Ehrenmal auf der Piazza de Gasperi. Hier trafen die deutschen mit den polnischen Veteranen zusammen.

Zahlreiche Pfadfindergruppen hatten sich aufgestellt. Vertreter der Stadt und der Provinz sprachen Grußworte. Josef Klein, scheidender Vorsitzender der MC- Vereinigung, erinnerte an die Ereignisse von damals und mahnte zum Frieden in einem geeinten Europa.Inzwischen waren beide vollbesetzten Busse angekommen, gesteuert von Kamerad Joachim Haas aus Herborn und Wolf-Rüdiger Ebke aus Homberg (Ohm). Am frühen Sonntagabend wurde an die 16000 amerikanischen Gefallenen der 36. Texas Division erinnert. Die Überquerung des Flusses hatten damals zahlreiche Soldaten mit ihrem Leben bezahlt. Draußen am Stadtrand vor dem Ehrenmal St. Angelo sprachen Vertreter der Kommunalpolitik und Kultur, Veteranen und der amerikanische Militärattaché Worte des Gedenkens.

Abordungen von Vereinen und Verbänden legten Kränze nieder. Die mächtige Friedensglocke läutete, als man Kränze dem vorbeiziehenden Wassern des Flusses übergab. Die Wellen des Rapido trugen sie als Erinnerung mit sich fort und noch lange schauten ihnen die Menschen nach.

Am Montag gedachten viele hundert Besucher auf dem polnischen Friedhof ihrer gefallenen Soldaten. Anwesend waren Vertreter der Kurie, der gesamte Episkopat und Staatspräsident Lecha Kaczynkiego mit hohen Regierungsbeamten sowie je ein Vertreter der Evang. Kirche und des Islam.

Veteranen, Armeeangehörige, Pfadfinder und Schulklassen hatten Aufstellung genommen. Kardinal Jozef Michalik zelebrierte eine feierliche Messe. Kränze wurden niedergelegt, für die TraKaFeSpähTrp von Audi Westphal und Ferdi Walsdorf. Die mehrstündige Feier in glühender Hitze hat den Teilnehmern einiges an Kondition abverlangt.

Der nächste Vormittag stand ganz im Zeichen Schwarz – Rot – Gold. Auf dem deutschen Friedhof in Caira, auf einem Hang angelegt und naturnah gestaltet, hatten sich Besucher aller am Kriegsgeschehen beteiligten Länder eingefunden.

TraKa-Vorsitzender Ernst Krug moderierte die gesamte Gedenkfeier. Er begrüßte die Teilnehmer in seiner Eigenschaft als designierter Nachfolger von Josef Klein, dem bisherigen Generalsekretär der Monte-Cassino-Weltveteranen-Union, Mitbegründer der MC-Stiftung und Vorsitzenden der Deutschen MC-Vereinigung. Krug gedachte der hier bestatteten 20 000 Toten, die in festem Glauben für eine gerechte Sache vergeblich gekämpft hatten.

Er erinnerte an die Leiden der Zivilbevölkerung und die Opfer ehemaliger Kriegsgegner und zitierte General de Gaulle mit den Worten „…denn wenn auch eine schlechte Politik zu Verbrechen und Unterdrückung führt, so gehört doch die Hochachtung, die sich die Tapferen entgegenbringen zum sittlichen Erbe des Menschengeschlechtes“. Abschließend dankte er dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge und der Deutschen MC-Stiftung für ihr Engagement. Für den BDF sprach Generalmajor a.D. Georg Bernhardt, für das auswärtige Amt skizzierte der stellvertretende Botschafter in Rom, wie Monte Cassino zum Symbol des Schreckens wurde. Ihm schloss sich Cassinos Bürgermeister Nardone an. Msg. Hermann Völck gestaltete eine Andacht und variierte in seiner Predigt das Thema „ Der Geist und das Schwert“. Für den Triumph des Bösen genügt das Schweigen der Guten, lautete seine Botschaft. In seiner vielbeachteten Rede erinnerte Joseph Klein an die Ereignisse von damals und bedauerte, dass junge Menschen heute zu Beginn des 21. Jhdts. nur schwer für die Bewahrung der Erinnerung zu gewinnen seien. Eine Trompete intonierte „Ich hatt’ einen Kameraden“. Einzeln aufgerufen legten Abordnungen Kränze nieder. Zum Abschluß erklangen die Nationalhymnen Italiens und Deutschlands.

Am Nachmittag dieses besinnlichen Tages standen der Colle Abate mit Gedenkfeier und ein Museumsbesuch in Cassino zur Auswahl. Sign. Alessia führte 53 Besucher durch die vollklimatisierten Räume. Neben den zahlreichen Exponaten gab es Original Filmausschnitte, Fotomontagen und 3D-Effekte zu sehen, die das Kriegsgeschehen sichtbar machten.

Am Mittwoch entschieden sich eine Gruppe für die Stadtbesichtigung, die andere für den Besuch des Klosters auf dem Heiligen Berg, das seine Entstehung dem Hl. Benedict verdankt. Don Germano führte durch die Gebäude, den Kreuzgang und die Gärten. In der Kapelle war das Bonifatiusfenster aus buntem Glas zu sehen, das deutsche Fallschirmjäger gestiftet hatten. Msg.Hermann Völck feierte mit den Teilnehmern eine Messe in der Klosterkirche, die nach ihrer Zerstörung originalgetreu wieder aufgebaut und ausgestattet wurde. Laut und kraftvoll erschallte „Großer Gott wir loben dich“ durch den Raum.

Der Nachmittag war der Schlacht um den Monte Lungo gewidmet. Amerikaner zerstörten das kleine Bergdorf San Pietro infine in der Nacht zum 15.Dez. 1943. Heute ist es als Ruinendorf ein stummes Mahnmal gegen den Krieg. In den Felsen hinein baute man ein Museum für Filmvorführungen und Bilddokumente.
Am Hang gegenüber liegt der Soldatenfriedhof, das sacrario militare, unterhalb das Militärmuseum, in seinem Park Panzer vom Typ M10, 28t – Americano Semovente und Sherman sowie verschiedene Geschütze. Rom – die Ewige Stadt war Ziel am Donnerstag. Das Thermometer zeigte 40 Grad im Schatten. Einige machten sich zu Fuß auf den Weg, andere ließen sich für 2 Stunden von einem luftigen Openair- Bus per Audioguide durch die Stadt fahren. Es ging vorbei an der Engelsburg, dem Kolosseum, an Kirchen und Palästen, Brunnen, Denkmälern und Ausgrabungen sowie dem pompösen einstigen Sitz B. Mussolinis, dem sogen.„Viktorianum“ mit dem von einer Ehrenwache flankierten Grab des Unbekannten Soldaten.
Am Freitag, dem 22.05 stand die Teilnahme an der Commonwealth – Gedenkfeier auf dem Programm. Sie beeindruckte durch ihre traditionsbewusste und würdevolle Gestaltung. Vertreter der ev. und kath. Kirche sprachen Gedenkworte, Redner gaben Statements ab, Kränze wurden niedergelegt. Ein Empfang im Hotel Boschetto schloß sich an.

Alternativ dazu gab es eine Fahrt zum Weltkulturerbe „Pompeij“. Gästeführer Cosimo Mazza ließ das Leben in der einst blühenden Stadt lebendig werden. Über 2000 Tote starben im J. 79 n.Chr. unter dem Ascheregen oder erstickten in giftigen Schwefelgasen, bevor die Lava die Stadt unter sich begrub. Noch heute zeugen die Reste der Tempel und Wohnhäuser, Brunnen, Götterstatuen, Thermen und Bäder, Mosaiken und Fresken von der Eleganz, dem Luxus und der Dekadenz seiner Bewohner.
Einige Teilnehmer entschlossen sich trotz mediterraner Temperatur zum Aufstieg an den Rand des Kraters, dessen letzter Ausbruch im Jahr 1945 registriert ist. In der Katastrophenschutzbehörde von Neapel gibt es Evakuierungspläne zu Wasser und zu Land, in die auch das Militär einbezogen ist. Am Abend verabschiedeten sich die Gruppe, die am nächsten Morgen die Heimreise antrat und in Leifers noch einen zünftigen Kameradschaftsabend verbrachte. Die in Cassino Verbliebenen folgten am Samstag unter der Führung von Josef Klein den Spuren der „Gustav-Linie“. Er erläuterte die Ereignisse, als wäre es gestern gewesen. Die deutsche Verteidigungslinie quer durch Mittelitalien endete bei Ortona im Osten. Zerschossene Häuser und der kanadische Panzer Trignina SS 650 markieren den Ort, an dem sich kanadische Artilleristen und deutsche Fallschirmjäger gegenüberstanden. Die Gustavlinie fiel nach monatelangen, blutigen Kämpfen im Mai 1944. Die Mitfahrer im Kleinbus konnten anschließend noch ein besonderes Erlebnis genießen: eine Fahrt unterhalb der schneebedeckten Abruzzen-Gipfel.


Am Sonntag hatte Ernst Krug mit Unterstützung der Stadtverwaltung den Besuch der Papstmesse unter freiemHimmel arrangiert und 25 Sitzplätze reservieren lassen.

Mehrere tausend Menschen begrüßten Benedikt XVI in heiter-mediterraner Stimmung. Er war gekommen, der Toten zu gedenken, ihr Opfer in Erinnerung zu halten und gemäß der christlichen Botschaft zu Frieden und Versöhnung aufzurufen.

Msg. Hermann Völck gehörte zu den Konzelebranten. Nach dem päpstlichen Segen begab sich Benedikt in das Kloster auf dem Berg.

Zahlreiche Dankesworte konnte Ernst Krug an den gemeinsamen Abenden im Hotel Pavone entgegennehmen, und ebenso zahlreich waren die Dankesworte, die er an andere richtete, an die Veteranen, Josef Klein, die ärztlichen Begleiter, die Helfer Frieder Endress, Bernd Kampmann, Hans-Albrecht Pflanz, Karl Sänger und Walter Janetta.

Am Montagmorgen hieß es Abschied nehmen.
Ein Kameradschaftsabend im Hotel Rotwand, Leifers, beendete die ereignisreichen Tage in Italien.

Erika Müller

17. April 2011