Monte Cassino 2012

26 Kameradinnen und Kameraden machten sich auf Spurensuche. Sie suchten nach dem, was übrig blieb von den Kämpfen und vom Leben und Sterben der vielen Tausend Menschen in der Region Monte Cassino. Auf Gedenkstätten und auf Friedhöfen gedachten sie der Gefallenen und der Zivilbevölkerung, die in den Jahren 1943-44 Opfer dieses sinnlosen Krieges geworden waren.

Wir – das sind der DMCV-Vorsitzende Ernst Krug, Bernd und Pia aus Bad Endbach, Kurt aus Gera, Werner aus Weilburg, Helmut aus Friedrichsdorf, Wolfgang aus Straubing, Werner vom Tegernsee, Kai-Michael, Marcel und Erika aus dem Vogelsberg, Sylvia und Mani aus Thüringen, Jerry aus Frankfurt, Kurt aus dem Odenwald, Audi, das Nordlicht und Reinhold, der Schwabe, Karola, Karl-Heinz, Margarete und Willy „aus Homberg“.

Am Tag 1 unternahmen wir zur Einstimmung einen Rundgang durch das parkähnlich gestaltete Ausstellungszentrum „Piana delle Orme“. Viele Tausend Objekte sind zu lebensechten Szenarien zusammengesetzt. Hier wird die Geschichte der Region sichtbar, die mühsame Arbeit , um die Pontinischen Sümpfe mit ihrem Malariapotential trocken zu legen, aus dem 2. Weltkrieg Flugzeuge, Militärfahrzeuge, Logistik für Reparatur, Versorgung und Ersatzteile.- Anschließend ging es zum Amerikanischen Friedhof in Nettuno. Schweigend standen wir vor den Tafeln aus weißem Marmor, auf denen die Namen tausender amerikanischer Gefallener eingraviert sind.

Tag 2. Nach einem kurzen Empfang in San Elia stiegen wir hinauf zum Monte Cifalco. In dem steilen Gelände hatten die Deutschen in Höhlen und Bunkern Gefechtsstände eingerichtet, unzugänglich und versteckt und für den Gegner eine harte Nuß. Doch im Januar 1944 wehte dann die französische Fahne auf den Gipfel. Am späten Nachmittag waren wir Gäste der Bersagleri. Sie waren im Jahr zuvor bei uns in Erbenhausen zu Besuch. Hausherr Mario Valente hatte seine Halle hergerichtet und fuhr auf, was die italienische Küche so zu bieten hat. Da konnte niemand widerstehen.

Der Tag 3 stand ganz im Zeichen von Pompeij. Kamerad Jerry gab sachkundig Auskunft über die Ruinenstadt und die Katastrophe des J. 78.n.Chr.

Am Tag 4 besichtigten wir das weltberühmte Kloster Montecassino. Benediktiner Don Germano führte uns durch Kirche, Krypta, über Treppen, durch Hallen. Walter Janetta übersetzte. Am späten Vormittag lud uns die Stadt Terelle zu einem Empfang mit rustikalem Imbiß und Hammel deftig ein. Mit dabei war auch eine Abordnung der Hoch und Deutschmeister aus Österreich. Es gab ein Wiedersehen mit Militärpfarrer Oberst Don Angelo, der bereits zweimal in Erbenhausen zu Gast war. Dann ging es über Serpentinen hinauf zum Colle Abate. Auf dem ca. 800m hohen Gipfel las Don Angelo eine Messe zu Ehren der Gefallenen. Kamerad Ernst gab Erläuterungen zu der Gefechtslage auf der hart umkämpften Anhöhe. Wir gedachten der Opfer der 5. Österreichischen Gebirgsjägerdivision, der 44. Infanteriedivision (Hoch und Deutschmeister) und der 71.Infanteriedivision. Carlo Pirolli blies auf der Trompete das Lied vom guten Kameraden. – Abends versammelten sich unsere Fußballfans in der Hotelhalle zum Fußballkrimi der Champions League.

Zu der Feierlichkeit auf dem Deutschen Friedhof in Caira am Tag 5 war viel Prominenz erschienen, internationale Abordnungen, auch die der Hoch und Deutschmeister. Cassinos Bürgermeister Giuseppe Golini Petrarcone begrüßte die Teilnehmer. Dr. Friedrich Keller vom Volksbund sprach Gedenkworte. Eindrucksvoll auch Prof. Dr. Dr.Winter aus Australien, der erzählte, wie es für ihn weiter ging nach dem Krieg, wie er zu einem geregelten Leben mit Familie und Beruf zurück fand. Ernst Krug, Vorsitzender der Deutschen Monte Cassino Vereinigung stellte in seiner Rede die Persönlichkeit Generalfeldmarschall Kesselring in den Mittelpunkt. Ihm haben deutsche Soldaten und die Bewohner der Stadt Rom viel zu verdanken. Seine Verhandlungen zur Schonung des Klosters Montecassino, der strategisch meisterhaft organisierte Rückzug und die Bereitstellung von Grundnahrungsmittel für die römische Bevölkerung – das alles war Ausdruck von Hoffnung und Menschlichkeit. Ernst Krug gedachte auch des kürzlich verstorbenen Lokalhistorikers Giuseppe de Chico. Viele von uns erinnerten sich noch an den quirligen Mann, der uns im Vorjahr durch die Bunker und den Wohnbereich bei San Appollinare geführt hat. Sein Leben lang hat er Albert Kesselrings Hauptquartier gepflegt und seinen Nachlass verwaltet. Für die Österreichische „Flamme des Friedens“ sprach Frau Herta Margarete Habsburg-Lothringen. Sie ist Gründerin der gleichnamigen Vereinigung zur Förderung des Friedens in der Welt. „Wo Freiheit ist, ist auch Frieden“ In eine Zukunft schauen ohne Hass und Gewalt, dazu seien wir alle aufgerufen, Frieden erfordere Anstrengungen, unsere Bemühen dürfe nicht nachlassen. Nachdem der letzte Redner geendet hatte, senkten sich die Fahnen, Kränze wurden niedergelegt. An den Gedenkhalle enthüllte Frau Habsburg-Lothringen ein Mahnmal mit einer stilisierten Flamme aus Holz. Sie wünschte allen, die sich für den Frieden einsetzen, Mut und Kraft. Anschließend hatte die Deutsche Monte Cassino Vereinigung zu einem Empfang eingeladen. Festlicher Kameradschaftsabend im Hotel Rocca. Die italienischen Freunde, die unserem DMCV-Vorsitzenden seit Jahren vor Ort behilflich sind – sie alle waren gekommen und genossen sichtlich die festlich gedeckte Tafel. Dolmetscherin Claudia war vielbeschäftigt. Ortsvorsteher Simone, Alex und Julia, Cosmo und Rita, Mario und Senora erhielten Urkunden als Dank und Anerkennung. Mit ihnen freuten sich Antonio Velardo und Domenico. Auf deutscher Seite erhielten Bernd und Pia, Audi, Jerry und Wolfgang für ihr besonderes Engagement Urkunden aus der Hand des Vorsitzenden. Mit dem Lied der Fallschirmjäger „Rot scheint die Sonne“ ging der Abend zu Ende. Noch lange saßen wir im Kameradenkreis zusammen.

Am Abend des 6. Tages trafen sich auf Einladung der Italiener an der amerikanischen Gedenkstätte unter der große Friedensglocke Amerikaner, Engländer und Australier und Österreicher, um ihrer Gefallenen zu gedenken. DMCV-Vorsitzender Ernst Krug hielt eine international viel beachtete Rede. Er verzichtete auf das Thema „Schuld und Sühne“. Ihm ging es vielmehr um das menschliche Leid dieses so sinnlosen Krieges. Wo Worte versagen, könne man nur Erschütterung und Trauer empfinden. Die Todesangst der Bedrängten sei noch immer und überall spürbar. Das sei Auftrag und Verpflichtung für uns alle, sich für den Frieden einzusetzen, wo immer wir auch sind. Während die Friedensglocke läutete, übergab man von der Brücke aus Kränze den Wassern des Gari. Für Deutschland tat dies Veteran Kurt Seib. Kinder ließen blutrote Blütenblätter herabregnen. Später folgten 10 Kameraden einer Einladung von Alex und Julia. Auf den Tisch kam, was es in der Region so zu essen gibt, alles selbstgemacht, selbst gepresst, selbst gekeltert. Mit Cosmos‘ Hilfe, der lange in der Schweiz gelebt hat, konnten wir uns einigermaßen verständlich machen. Und natürlich hieß es beim Abschied „Arrivederci“.

Bei der Zwischenübernachtung in Leifers/Bozen dankte Wolfgang im Namen von uns allen dem DMCV-Vorsitzenden Ernst Krug für die Vorbereitung und Durchführung der Fahrt. Gedankt wurde auch den Fahrern Wolfgang, Bernd, Kai-Michael und Marcel, die uns ganz gelassen und ohne Blessuren durch den italienischen Verkehr steuerten. Dem schlossen sich die Veteranen Reinhold und Kurt an.

Von den Worten der vielen Redner werden uns Gedenken und Mahnung zum Frieden in Erinnerung bleiben.

Erika Müller

29. Mai 2012