Vor 70 Jahren

70 Jahre, nur ein Wimpernschlag in der Geschichte, der alles veränderte. Im Mai des Jahres 1944 gingen die Kämpfe in der Region M. Cassino zu Ende. Zurück blieben 130000 gefallene Soldaten und ein dem Erdboden gleichgemachtes Kloster. Um uns zu erinnern, zu gedenken und mit den einstigen Gegnern zu versöhnen, machten wir uns auf nach Italien. Wir waren 52 Teilnehmer, dabei die Veteranen Kurt und Werner. Ernst Krug, Vorsitzender der Deutschen Monte Cassino Vereinigung hatte unsere Fahrt organisiert. An den Feierlichkeiten waren alle an den Kämpfen beteiligten Nationen vertreten. Nominiert als Fahnenträger war der 1. Vorsitzende der Traka, Kai-Michael, als Begleiter Audi und Marcel, für die Kranzniederlegung Hans und Wolfgang. Vor Ort waren Cosmo, Mario und zahlreiche italienische Freunde hilfreiche Ansprechpartner. Unterwegs führte uns ein Abstecher ins Allgäu, wo es ein Wiedersehen mit Hermann Völck gab. Nach der Zwischenübernachtung in Südtirol erreichten wir das Hotel Rocca in Cassino. Tag 1 führte uns nach Esperia. Auf dem Marktplatz vor der 300 Jahre alten Kirche St.Pedro in canilis hatte die Gemeinde zu einer Feierstunde eingeladen. Ernst Krug überreichte Bürgermeister Giuseppe Moretti eine Gedenkplakette. Unsere Abordnung legte einen Kranz nieder. Auf der Fahrt ins Hotel schlug die Stunde unseres Busfahrers. Jochen war über Schleichwegen auf Abwege geraten. Da half auch millimetergenaues Rangieren nichts, das Gartenmäuerchen blieb standhaft. Auf einer abgemähten Wiese konnte Jochen schließlich eine Ehrenrunde drehen. Beifall von uns! Den Tag 2 verbrachten wir auf dem polnischen Friedhof. Polen feierte seine Helden, allen voran General Anders. Erinnerung, Gedenken, Stolz und Trauer waren perfekt in Szene gesetzt. An den Gräbern nahmen Pfadfinder Aufstellung. Das ließ die riesigen Dimensionen der Anlage deutlich sichtbar werden. Anwesend waren der gesamte Episkopat, Veteranen, Generale sowie Regierungsmitglieder, angeführt von Ministerpräsident Donald Tusk. Die Bischöfe zelebrierten eine Hl.Messe, Gebetsrufe erschallten in verschiedenen Sprachen, Namen von Gefallenen wurden verlesen. Die Glocken läuteten. Drei Böllerschüsse wurden abgegeben. Unsere Abordnung legte einen Kranz nieder. Am frühen Abend versammelten wir uns an der Friedensglocke von San Angelo zur amerikanischen Gedenkfeier. Ein Chor trug die Hymnen aller am Krieg beteiligten Nationen vor. Cassinos Bürgermeister Guiseppe Golini Petrarcone begrüßte die Teilnehmer. Der Divisionskommandeur der 36. Texasdivision sprach die Gedenkworte. Er erinnerte an das gewaltsame Durchbrechen der 3 deutschen Linien. „Was ich sah, war die blutigste Schlacht in Italien, und das im Tal der Engel“ (valley of the angels), meinte Australiens Delegierter. Ernst Krug sprach Worte der Trauer, der Versöhnung und der Zuversicht. Möge Frieden hinausgehen in die Welt, war die Botschaft des Abends. Unsere Abordnung legte einen Kranz nieder, Blumen wurden den Wellen des Liri übergeben.

Tag 3 stand ganz im Zeichen der Engländer. Auf ihrem Friedhof ruhen über 4000 Gefallene. Ein Kranz wurde niedergelegt. 40 Veteranen aus dem gesamten Commonwealth waren gekommen, darunter auch Maoris in Tracht aus Neuseeland. Prominentester Gast war Prinz Harry. Am Mahnmal legte er einen Kranz aus roten Blumen nieder. BM Petrarcone überreichte ihm eine goldene Erinnerungsmedaille. Am Nachmittag führte uns Don Germano durch das Kloster, die Kirche, Krypta und Kapelle. Im Eingangsbereich gab es eine Sonderausstellung zum 70. Jahrestag. Tag 4 war unser Tag, der Tag der Deutschen. Die Feier auf dem Friedhof hatten Markus Meckel, Präsident des Volksbundes und Arne Schrader gestaltet. Mehrere hundert Teilnehmer fanden sich unter dem Hochkreuz ein, in Paradeuniform die Hoch- und Deutschmeister und die Bersagleri. Um 12.30 Uhr läuteten die Glocken. Schrader begrüßte u.a. BM Petrarcone, den Deutschen Botschafter Reinhard Schäfers, den Präfekt von Frosinone, Vertreter des Diplomatischen Corps, des BDF, Rosario Ajosa, General des Armeecorps der Carabinieri und Inhaber der Goldenen Tapferkeitsmedaille, sowie deutsche Schüler. „Europa hat seine Lektion gelernt, aus Feinden werden Freunde“. Angereiste Schüler zitierten aus Briefen deutscher Soldaten. Der Divisionskommandeur der 36. Texas-division dankte den Deutschen für ihre Bereitschaft zur Vergebung Versöhnung. „Damals Feinde – heute Freunde“. Der Tod hat nicht das letzte Wort. „Gott lässt uns fallen in seinen Frieden hinein“ gab Pfr. Don Angelo Monti den Teilnehmern mit auf den Weg. Das große Bundeswehrorchester spielte „Ich hatt‘ einen Kameraden“ und „Il Silenzio“, sowie zum Abschluß die italienische und deutsche Nationalhymne. Kränze wurden niedergelegt. Nachmittags machten wir uns bereit zum Aufstieg auf den einst umkämpften Gipfel des Cole Abate.Fahne und Kranz waren mit dabei. Don Angelo las die Hl. Messe. Tirelles Bürgermeister begrüßte Ernst Krug und stellte fest, dass dessen Engagement das Interesse und die Beteiligung am Thema M.Cassino wachhalte und verstärke. Beim Abstieg wurden wir üppig bewirtet mit Pizza, Pasta, Gulaschsuppe, Rot- und Weißwein. Auch am Tag 5 ging es hoch hinaus. Unsere italienischen Freunde brachten uns mit ihren Geländewagen auf den Monte Cifalco.Hier hatten sich damals die Soldaten in den Höhlen der Steilhänge verschanzt. Anschließend waren wir Gäste der Gemeinde Olivella. Bürgermeisterkandidat Fernando Cucco gab sich die Ehre. Im Pfarrsaal St.Maria Dell Ulivo wurden wir mit Italiens Nationalgericht Spaghetti bewirtet, an dem auch Don Angelo tatkräftig beteiligt war. Am Tag 6 besuchten wir das Weltkriegsmuseum in Rocchetta a Vulturno. Es besteht in privater Trägerschaft in einem Gebäude des 19. Jahrhunderts. Zu sehen ist eine umfangreiche Sammlung von Militaria. Anschließend verwöhnte uns die Gemeinde Viticuso mit landestypischen Gerichten und einem liebevoll zusammen – gestellten Folkloreprogramm. Busfahrer Jochen manövrierte sein riesiges Gefährt mit viel Gefühl durch enge Gassen, um Ecken und über Passstraßen. – Am Morgen hieß es Kofferpacken und Abschied nehmen. Im Hotel Rotwand in Südtirol wurde Bilanz gezogen. Vorsitzender Erst Krug betonte nachdrücklich Sinn und Zweck unserer Reise, nämlich erinnern und gedenken. Vergessen und Missachten den Veteranen gegenüber seien beschämend, das habe allein die Politik zu verantworten. Er verlas ein Gedicht des im August 1942 gefallenen Lts. Wolfgang Zügel. Darin heißt es, dass sich viele Soldaten als Opfer der damaligen Machthaber sahen. Für den BDF sagte Hans Oehler, diese Reise sei von Bedeutung für das Ansehen der Deutschen im Ausland gewesen. Veteran Werner Richter fasste in Anlehnung an Horst Köhler zusammen: freundliches Desinteresse – Soldaten dürfen als Mörder bezeichnet werden – Wehrmachtsausstellung, all das nehme den Soldaten die Ehre. Anerkennung und Respekt kämen allenfalls von ehemaligen Gegnern.  Am nächsten Morgen dankte Krug allen Helfern. Er erzählte, wie er jahrelang das Thema M. Cassino verfolgte, Freundschaften in der Region geknüpft hat und schließlich seinen Garten in Erbenhausen zu einer Gedenkstätte umgestaltete für die unschuldigen Opfer unter der italienischen Zivilbevölkerung .Allzu schnell sind sie vergangen, die 6 Tage in Cassino. Alle Gedenkveranstaltungen 2014 waren getragen von Würde, Respekt und gegenseitiger Achtung. In den Medien waren die Ereignisse der Jahre 1943/44 präsent in Form von Sondersendungen und Sonderseiten. So entdeckten wir einen Auszug von Hermann Völcks Kriegstagebuch in der „L’inchiesta“ in deutscher Sprache. Was nehmen wir darüber hinaus noch mit? Italienische Gastfreundschaft, Lebensfreude und Lebensart , nicht zu vergessen Italiens Nationalgericht Spaghetti und Vino Rosso.

Erika Müller

07. Juni 2014