Am 14. Mai machte sich eine Reisegruppe von Homberg/Ohm aus auf den Weg über Straubing nach Leifers (Bozen) zum Hotel Rotwand. Dort war nach altbewährter Art der erste gemeinsame Abend zum Wiedersehen und Kennenlernen der Teilnehmer. Am nächsten Tag ging es weiter über Bologna, Florenz und Rom nach Cassino, wo von Ferne das Kloster Monte Cassino in Sichtweite kam.

Auch 75 Jahre nach der Schlacht am Monte Cassino ist das Gedenken an die schrecklichen Geschehnisse des Krieges wach. Abordnungen der damals beteiligten Nationen erinnern jedes Jahr daran mit Kranzniederlegungen und feierlichen Zeremonien. Beachtenswert sind die riesigen, schön gepflegten Soldatenfriedhöfe.

OTL d.R. Wolfgang Eberl als Vorsitzender der Deutschen Monte Cassino Vereinigung und Kaimi Horst als Vorsitzender der Traditionskameradschaft Fernspähtruppe hatten die diesjährige Fahrt organisiert. Bei der Ankunft im Hotel Sant’Elia gab es ein Wiedersehen mit der schottischen Kameradin Sheila Wurr, deren Vater auf Seiten der Alliierten in Italien gegen die deutsche Wehrmacht kämpfte. Vor fünf Jahren hatte sie die Kameradschaft kennengelernt und Freundschaft geknüpft, daraufhin wurde sie Mitglied in der DMCV/TRAKA. Auch eine englische Reisegruppe war in dem Hotel untergebracht. Mit deren Reiseleiter besteht ebenfalls eine freundschaftliche Verbindung, insbesondere durch gemeinsam veranstaltete Andachten der beiden Reisegruppen in den vergangenen Jahren.

Unser erster offizieller Programmpunkt war am 16. Mai die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung am Commonwealth Friedhof. Dort legte die deutsche Delegation mehrere Kränze nieder. Am Abend lernten wir im Hotel Sant’Elia Peter Schermann kennen. Sein Vater fiel bei den Kämpfen an der Reinhard-Linie als er einen Monat alt war. Zunächst war sein Vater unter den ‘vermeintlichen’ Toten in Caira beigesetzt worden. Als bei der nochmaligen Untersuchung der damals provisorischen Gräber die Erkennungsmarke seines Vaters entdeckt wurde, konnte man dieses Schicksal endgültig klären. Peter wurde in die Gruppe aufgenommen und am 17. Mai fuhren wir den Bereich der Reinhard-Linie ab, in dem sein Vater eingesetzt war. Im Anschluß war noch Zeit, das Museum „Winter-Linie“ zu besuchen.

Tagesprogramm des Freitags waren die Besichtigung des Klosters Monte Cassino, die Masseria Albaneta, die „Cavendish Road“ mit dem Panzerdenkmal und die heftig umkämpfte Höhe 593. Ein gelungener Kameradschaftsabend mit italienischem Abendessen in Gemeinschaft mit General Fritz und der Fallschirmjägerkameradschaft Nagold beschloss den Tag. Die Kameraden der LLBrig 26, die uns auf dem deutschen Friedhof tatkräftig unterstützten, nahmen ebenfalls daran teil. Dank gebührt Kamerad Nell für die gute Organisation dieses Abends.

Der Samstag war bestimmt durch die mehrstündige Gedenkfeier am Deutschen Soldatenfriedhof in Caira, auf dem die Gebeine von 20 057 Soldaten bestattet sind. Nach den Ansprachen fand die Kranzniederlegung statt, Kameradin Sheila Wurr legte einen Kranz der 1. Britischen Airborne Division nieder, bei der ihr Vater Soldat war. Den Abschluß der Gedenkveranstaltung bildeten die Totensignale ‘IL Silencio’, gespielt von einem italienischen Soldaten und ‘Ich hatte einen Kameraden’, gespielt von Kaimi Horst auf der Klarinette. Anschließend lud die Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu einem Imbiss ein, bei dem sich die vielen Gäste stärken und austauschen konnten, unter ihnen auch der Erzabt des Klosters Monte Cassino und der Botschafter von Neuseeland.

Für den Nachmittag war der Besuch der Gedenkveranstaltung der Hoch- und Deutschmeister am Colle Abate vorgesehen. Wegen des regnerischen Wetters und des dadurch zu riskanten Aufstiegs zum österreichischen Ehrenmal, musste dieses Gedenken unter der Leitung von Oberst Bernd Schlögl in die Kirche von Terelle verlegt werden. Gemeinsam mit dem Ortspriester feierten wir einen Gottesdienst, bei dem ein von Uta Lederer-Hensel vorbereiteter zweisprachiger Predigttext (Pred. 3, 1-8: ‘Alles hat seine Zeit…’) und Gebete vortragen wurden.

Besonders gern folgten wir am Abend zum wiederholten Male der privaten Einladung von Julia und Alex d’Agostina nach Olivella, die seit vielen Jahren zu den engsten italienischen Kameraden der DMCV gehören. In der unglaublich herzlichen Art des Ehepaares wurden wir willkommen geheißen und großzügig mit selbstgemachten Leckereien verköstigt. In fröhlicher Stimmung musizierten Alex und Kaimi mit Gitarre und Akkordeon, gemeinsam sang die Gruppe dazu. Dieser genußreiche italienische Abend in herzlichster Gastfreundschaft von Julia und Alex war ein besonderer Höhepunkt der diesjährigen Fahrt.

Bei strahlendem Sonnenschein wurde am Sonntag an der Gedenkstätte am Gari, S.Angelo in Theodice der gefallenen Soldaten der amerikanischen Streitkräfte und der Opfer der Bevölkerung gedacht. Zu Ehren der Toten übergaben wir dem Fluß einen Kranz und legten an der Gedenkstelle den Kranz des BDF nieder.

Nach einem abschließenden Abend traten wir am Montag, 20. Mai die Rückfahrt nach Hause an. Allen Teilnehmern dieser Fahrt wird das 75-jährige Gedenken an die Schlacht am Monte Cassino und ihrer Opfer in Erinnerung bleiben - auch in Zukunft gelten die Gedanken zum Predigertext:

Einigkeit herrscht darin, dass Krieg nicht wieder stattfinden soll.

Einigkeit herrscht auch darin, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit geraten darf.

Einigkeit herrscht auch an dem Punkt, wo man aus der Vergangenheit für eine bessere Zukunft lernen und entsprechende Konsequenzen ziehen soll. Das beginnt bei jedem einzelnen Menschen selbst. Also ist jeder Einzelne aufgefordert entsprechend zu handeln.

Uta Lederer-Hensel, Kai Michael Horst, Wolfgang Eberl